-
Rechte Haken im Weimarer Land: Neonazis als Trainerin und Wettkämpfer beim Kickboxing Bad Berka

links: KiBo-Werbung mit Stefan Rose für den Kampf am 3.10.2026 im Cirkus Krone in München; rechts: Stefan Rose (mittig in Trainingsjacke) auf der Beerdigung für den Rechtsrockmusiker Christian Dürre in Beeskow am 18.8.2023 (Foto: Recherche Nord) Am 3.10.2026 steht in München ein bekannter Neonazi für „KiBo“ Bad Berka im Ring: Stefan Rose von der Apoldaer Rechtsrockband „12 Golden Years“. Die Fight Night soll von BILD+ live übertragen werden und bietet dem Neonazi somit eine weitaus größere Bühne als bei früheren klandestin organisierten NS-Konzerten. Bei „Kickboxing Bad Berka“, kurz „KiBo“, wird seit einigen Jahren neben klassischem Boxen und Kickboxen auch Fitness- und Kindertraining angeboten. Zu den Gründungsmitgliedern gehört Heidi Lorber, die seit gut 15 Jahren in der Neonaziszene aktiv ist. Lorber war zunächst Kindertrainerin und bietet nun ein Frauentraining an. Neben diesen exponierten Personen trainieren weitere junge Neonazis aus dem Umfeld der Erfurter Hooliganszene und der militanten Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ in Bad Berka Kampfsport. Nur wenige Kilometer von Jena entfernt werden exakt jene Kreise in Kampftechniken ausgebildet, von denen brutale Übergriffe zu befürchten sind. Im Folgenden zeigen wir mit einer Übersicht, welche Rechten beim KiBo trainieren und welchen Netzwerken sie zuzuordnen sind.
KiBo-Trainerin und Neonazi-Model: Heidi Lorber

Heidi Lorber als KiBo-Trainerin September 2026 Heidi Lorber kommt aus Bad Berka und ist schon seit gut fünfzehn Jahren in der Neonazi-Szene aktiv. Lorber zählt zum Umfeld der früheren „Kameradschaft Apolda“ und ist vor allem als Anhängerin von Neonazi-Musik auf Veranstaltungen aufgefallen. Als die Ostthüringer Neonaziszene am 15.6.2013 in Kahla den „Thüringentag der nationalen Jugend“ abhielt, nahm Heidi Lorber in Begleitung eines Brandenburger Neonazi-Musikers teil. Lorber demonstrierte mit ihrer Teilnahme in Kahla auch ihre Solidarität mit dem zu jener Zeit in Untersuchungshaft sitzenden NSU-Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben, für den mit dem Festival Spenden gesammelt wurden. Drei Wochen später nahm Heidi Lorber am Neonazi-Festival „Rock für Deutschland“ in Gera teil, dieses Mal an der Seite von Ronny Linke aus Weimar. Linke war schon mit dem NSU-Kerntrio in den Neunzigern bekannt und ist seither unbeirrbarer Aktivist des militanten und seit 2000 verbotenen Netzwerks „Blood and Honour“.

Heidi Lorber und Ronny Linke von Blood&Honour am 6.7.2013 auf dem „Rock für Deutschland“ in Gera Lorber beteiligte sich auch an der bis dato letzten Ausgabe des „Rock für Deutschland“ in Gera am 1.7.2017. Das Festival hatte bis zu vierstellige BesucherInnenzahlen und konnte namhafte deutsche Neonazi-Bands sowie eine HS-Hardcore-Band aus Südtirol vorweisen. Der NSU-Helfer André Eminger betreute auf dem Festival einen Stand der „Gefangenenhilfe“, die sich für seinen damals weiterhin inhaftierten Mitangeklagten Ralf Wohlleben einsetzte.

Heidi Lorber auf dem „Rock für Deutschland“ in Gera am 1.7.2017 Als Ronny Linke und weitere Ostthüringer Neonazis versuchten, sich im zwar verbotenen, aber weiter prestigeträchtigen „Blood and Honour“-Netzwerk neu zu positionieren, war im Sommer 2019 wiederum Heidi Lorber dabei. Die Neonazis luden mit „Brutal Attack“ aus England ein Flagschiff von „Blood and Honour“ ein, was zur Legitimierung des von Konkurrenzen geprägten und zersplitterten Untergrundnetzwerks gilt. Das Konzert fand mutmaßlich im Weimarer Land statt. Wie eng Heidi Lorber diesen militanten Netzwerken und deren Ideologie ist, demonstrierte sie der Öffentlichkeit im Jahr 2020, als sie mit der Absicht, anonym zu bleiben, für den Apoldaer Neonazi-Versand „Nordrausch“ von Fabian Kellermann posierte. Kellermann übernahm ein Jahr später den etablierten Versandhandel „Das Zeughaus“, der dem „Blood and Honour“ Netzwerk nahesteht. Das Bekenntnis auf dem von Heidi Lorber präsentierten Shirtmotiv für den Versand ist eindeutig: „NS Streetwear“. Lorber ist anhand ihrer Tattoos eindeutig zu erkennen. Aus ihrer Zugehörigkeit zur Neonaziszene macht Heidi Lorber auch beim KiBo Bad Berka keinen Hehl. Ganz im Gegenteil, nimmt sie doch in Kleidung der von Neonazis betriebenen Marke „Pro Violence“ an Trainings teil. Vom sächsischen Rechtsrock-Label „OPOS“ (One People One Struggle) trägt Lorber auch bei von ihr geleiteten Trainings Merchandise mit „One Family“, was sich auf die von OPOS propagierte Idee eines Kampfes für eine weiße völkische Vorherrschaft bezieht. Bilder davon veröffentlicht KiBo Bad Berka selber freimütig.

Heidi Lorber im Shirt des Neonazi-Labels „OPOS“ als KiBo-Trainerin im September 2024 (Bild: Facebook) KiBo-Wettkämpfer und Rechtsrocker: Stefan Rose

Stefan Rose (oben rechts) beim KiBo Bad Berka im September 2026 Stefan Rose kommt ursprünglich aus Auerstedt im nordöstlichen Weimarer Land. Dort stieß er in den späten 2000er Jahren zur Neonaziszene hinzu, die sich um die „Kameradschaft Apolda“ sammelte. Rose begann mit anderen Apoldaer Neonazis als „12 Golden Years“ den Sound der Neonazi-Skinhead-Bands der 1990er nachzuspielen. Der Bandname ist dabei Programm: Rose und seine Kameraden glorifizieren die 12 Jahre der NS-Herrschaft, verbreiten Rassismus und antisemitische Hetze. Das Bekenntnis zu dieser Musik trägt Rose in Form eines „Hatecore“-Tattoos auf dem rechten Unterarm. Nach Dutzenden Live-Auftritten und mehreren Alben wurde es die vergangenen Jahre merklich ruhiger um die Band. Dies könnte auch mit einer Veröffentlichung Ende 2020 auf diesem Blog zu den Umtrieben von Rose & Co zu tun haben.

Apoldaer Neonazi-Ausflug 2016: (v.l.) Stefan Rose (Shirt „12 Golden Years“), unbekannt, Christian Steinbrück, Manfred Wiemer, Christian Jewanski (unten), John Romankewitz, Matthias Putze, Marcel Selbmann Stefan Rose zog zwischenzeitlich nach Mönchenholzhausen zwischen Weimar und Erfurt. Er ist als freier Fotograf und Filmer tätig, sowohl auf Hochzeiten als auch für Sport- und Dorfkulturvereine. Auch das KiBo Bad Berka lässt sich beim Marketing von Roses Fotos helfen. Wie verbunden Stefan Rose und seine Kameraden der militanten Naziszene nach wie vor sind, zeigte sich 2023 bei mehreren Anlässen: Im Frühjahr 2023 waren Roses Bandkollegen ohne ihn selber bei einem von bundesweiter Beteiligung geprägten Neonazi-Konzert in Neumünster, das unter Krawallen der Nazis von der Polizei aufgelöst wurde. Im August 2023 war auf verdeckt gemachten Aufnahmen von einer Beerdigung im brandenburgischen Beeskow auch Stefan Rose selbst, zusammen mit Bandkollegen von „12 Golden Years“ und weiteren Kadern der Apoldaer Kameradschaftsszene, zu sehen. Die Gruppe nahm an der Beerdigung des Rechtsrockmusikers Christian Dürre teil. Dürre war Schlagzeuger in mindestens fünf Rechtsrockbands, darunter die mit seinem Bruder Nico Dürre betriebene Beeskower Band „Frontfeuer“, aber auch die „Landser“-Nachfolgeband „Die Lunikoff Verschwörung“. Dürre spielte live mit dem bei Weimar wohnhaften Manfred Wiemer mit dessen Neonazi-Kultband „Radikahl“.

(v.l.) Christoph Wolter (m. Cap, verdeckt), Christoph Walther („12 Golden Years“), Robert Hoyer, Stefan Rose (Trainingsjacke), Neonazi-Funktionär Thorsten Heise (in weiß), Nadine Heise und Andre Groth (1.v.r.) und am 18.8.2023 in Beeskow (Recherche Nord) Seit diesem Jahr ist Stefan Rose regelmäßig bei Trainings beim KiBo Bad Berka zu sehen und bestritt im August in Grimma seinen ersten Box-Wettkampf mit Unterstützung vom KiBo. Rose war schon früher Hobbyboxer und trainierte u.a. vor 5-6 Jahren im Freien mit Apoldaer Kameradschaftsaktivisten. Nun hat er einen Verein gefunden, der ihn in Kampftechniken trainiert und in den Wettkampfsport einführt.

Stefan Rose bei der Fight Night in Grimma am 22.8.2026 III.Weg-Anhänger und Hooligan-Umfeld: Robin Klein

Robin Klein (unten) im KiBo Bad Berka im August 2024 Robin Klein ist ein weiterer Neonazi-Aktivist, der seit Längerem beim KiBo trainiert. Er kommt aus Blankenhain und ist seit mehreren Jahren in der Thüringer Neonaziszene aktiv. Klein fiel zuerst auf, als er am 1. Mai 2023 mit einer Thüringer Abordnung der kurzzeitig sehr aktiven „Neue Stärke Partei“ (NSP) zu einer Neonazi-Kundgebung nach Waren/Müritz fuhr. Die NSP war eine Nachfolgegruppe des im Streit mit der restlichen Partei aufgelösten Erfurter Ablegers vom III. Weg. Angeführt wurde diese Gruppe von Neonazis aus dem Fußball- und Hooliganmilieu des FC Rot-weiß Erfurt (RWE).

(v.l.n.r.) Robin Klein, Sabrina Töpfer, Enrico Biczysko, Christoph Thews, Philipp Volkenanndt in Waren am 1.5.2023 (Foto: Recherche Nord) Das Erfurter Fußballmilieu beförderte rund um Nick Schwiderski, einen früheren Aktivisten der NSP, in der darauffolgenden Zeit eine neue Mobilisierung junger Neonazis, zu der auch Robin Klein gehörte. Im Februar 2024 marschierte dieses Dutzend junger Rechter hinter einem Banner „Thüringens Jugend“ im bundesweit größten Neonaziaufmarsch durch Dresden. Die Teilnehmer dieses Thüringer Blocks rekrutierten sich durchgängig aus dem jüngeren und rechten Teil der Erfurter Fußballszene, maßgeblich aus Erfurt, dem Raum Sömmerda und dem Weimarer Land.

Robin Klein (1.v.l.) und Nicklas Holzheu aus Stobra bei Apolda (1.v.r.) am 11.2.2024 in Dresden (Foto: Pixelarchiv) Robin Klein organisierte sich jedoch auch über den Fußball und solche Aufmarschbesuche wie in Dresden hinaus in der Neonaziszene. So wurde er in der „Nationalrevolutionären Jugend“ (NRJ) aktiv, der Jugendorganisation der militanten Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ (III. Weg). Die Gruppe ist vielerorts für erlebnisorientierte Aktivitäten für junge Männer, Propagandaaktionen und Kampfsporttraining bekannt. In Orten wie Zwickau, Berlin oder Erfurt haben sich ihre Mitglieder auch mit brutalen Übergriffen auf Linke und Antifaschist*innen einen Namen gemacht. Robin Klein beteiligte sich am 22.3.2024 an einem internen Kampfsporttraining der NRJ in den Räumlichkeiten der Partei in Ohrdruf im Landkreis Gotha. Teilnehmer und mutmaßlich auch Anleiter war der aus Nordbayern stammende militante Neonazi Nils Kirrbach, der auch enge Verbindungen zu „Knockout 51“ und „Combat 18“ hat.

Robin Klein (oben links in rot) und Nils Kirrbach (oben 1.v.l., unten Mitte) beim Kamfpsporttraining des III. Weg in Ohrdruf am 22.3.2924 Fünf Wochen nach dem Kampfsporttraining beim III. Weg marschierte Robin Klein mit der Partei zum 1. Mai 2024 durch Sonneberg. Der Aufmarsch war nur intern beworben und kurzfristig angemeldet worden, offenbar zur Vorbeugung von Gegenprotesten. Robin Klein trug das Shirt der NRJ und lief gemeinsam mit Erfurter Kameraden.

Robin Klein mit der „Nationalrevolutionären Jugend“ beim III. Weg in Sonneberg am 1.5.2024 Zur Abschlusskundgebung der AfD im Landtagswahlkampf Thüringen am 31.8.2024 kam die gesamte rechte Jugendszene von Rot-Weiß Erfurt, der NRJ und weiteren losen Neonazigruppen aus Thüringen zusammen. Im Vorfeld wurde bereits ein Gruppenfoto mit einem Banner „Kommunisten behindert schlagen“ geschossen, an dem auch Robin Klein teilnahm. Später war er auch auf dem Domplatz in einem Shirt der Neonazi-Kampfsportserie „Kampf der Niblungen“ zu sehen.
Neonazi und Hooligan-Umfeld: Danilo Martin

Nazis im Training beim KiBo am 5.12.2024: Danilo Martin (4.v.r.), Robin Klein (3.v.r.), Kevin Pöllinger (2.v.r.), David Prinz (1.v.r.) und Heidi Lorber (unten r.) Danilo Martin kommt aus Nohra zwischen Weimar und Erfurt und ist schon seit über zehn Jahren in der Naziszene aktiv. Martin lief bereits als Jugendlicher beim Naziaufmarsch in Weimar mit, der jährlich im Februar stattfand. Hier kamen Jahr für Jahr militante Neonazis und Shoa-Leugner aus ganz Deutschland zusammen, um anlässlich des Jahrestags der Bombardierung Weimars im zweiten Welktrieg einen revisionistischen Aufmarsch mit dem Ziel einer Schuldumkehr abzuhalten. Im Jahr 2014 lief auch Danilo Martin im Aufmarsch mit, hinter dem Transparent der Kameradschaftsszene aus Leipzig. Ein Jahr später war Danilo Martin erneut dabei.

Danilo Martin (Mitte) auf dem Naziaufmarsch am 7.2.2015 in Weimar (Foto: Sören Kohlhuber) Danach war von Martin längere Zeit nicht viel auf rechten Veranstaltungen zu sehen. Abseits der Politik war er Fußballer beim Isserodaer SV und im Dorfleben bei der Kirmesgesellschaft Nohra aktiv. Als die AfD ihren Wahlkampfabschluss zur Thüringer Landtagswahl am 31.8.2024 auf dem Erfurter Domplatz feierte, tauchte Martin dann inmitten einer großen Gruppe jugendlicher Neonazis wieder auf. Diese sammelten sich um Eric Krempler aus Eisenach und Aktivisten der damalig noch existenten „Nationalrevolutionären Jugend“ Erfurt (NRJ) des III. Weg.

Danilo Martin (1·v.r.) mit Eric Krempler (1.v.l.) und Ida Wolf (2.v.l.) auf dem AfD-Wahlkampfabschluss in Erfurt am 31.8.2024 (Foto: Recherche Nord) Im selben Zeitraum begann Martin mit regelmäßigem Kickboxtraining beim relativ neu gegründeten „Kickboxing Bad Berka“. Dabei war er oft zusammen mit dem bereits erwähnten Robin Klein zu sehen. Die beiden zählen zudem zum rechten Teil der Fanszene beim Rot-Weiß Erfurt und stehen mittlerweile regelmäßig beim früheren „Jungsturm Erfurt“ im Steigerwaldstadion, der sich hinter der Zaunfahne „Armada“ im Sitzplatzbereich sammelt. Auch beim Training machte Danilo Martin keinen Hehl aus seiner rechten Haltung, wenn er etwa in Shirts der Cottbusser Neonazimarke „Label 23“ trainiert und das auch im Netz präsentierte.

Danilo Martin in der Neonazimarke „Label 23“ beim Training im KiBo Neonazi-Aktivist: Kevin Pöllinger

Kevin Pöllinger (1.v.l.) und Robin Klein (3.v.l.) im November 2024 beim Boxtraining bei KiBo Kevin Pöllinger kommt aus Weimar und zählt zu einer losen Neonazi-Clique aus dem Weimarer Land. Er nimmt seit Jahren an Kundgebungen und Aufmärschen der Neonaziszene teil. Pöllinger ist häufiger mit gleichaltrigen Neonazis aus Kahla unterwegs, sowohl bei privaten Festen, als auch auf Veranstaltungen. Als etwa David Köckert in Greiz zu einer rechten Kundgebung im Februar 2024 mobilisierte, erschien auch Pöllinger und war bei Sprechchören zu sehen.

(v.l.n.r.) Ian Bütow, Andy Fahl, Kevin Pöllinger und Benny Franke am 3.2.2024 auf einer Neonazikundgebung in Greiz (Bild: Youtube) Mit seinen Kahlaer Kameraden verbrachte Pöllinger Abende am Turm vor dem ehemaligen KZ Buchenwald oberhalb von Weimar. Von hier veröffentlichten die Neonazis etwa dieses Foto im April 2024. An der Gedenkstätte kommt es in den vergangenen Jahren immer wieder zu neonazistischen Schmierereien und Sachbeschädigungen, auch in der zweiten Hälfte des Jahres 2024.

(v.l.n.r.) Colin, Benny Franke, Kevin Pöllinger, Ian Bütow vor dem Turm am ehemaligen KZ Buchenwald im April 2024 Zusammen mit dem Neonazi-Aktivisten Michael Engling aus Mellingen lief Pöllinger mitsamt seiner Kahlaer Kameraden auch im Naziaufmarsch von „Die Heimat“ am 1.5.2025 durch Gera.

Kevin Pöllinger (Mitte m. Jeans, Robin Franke (in braun), Colin (2. Reihe m. Sonnenbrille) und Michael Engling (Anglerhut) auf dem Naziaufmarsch in Gera am 1.5.2025 (Foto: Pixelarchiv) Trainer auf rechter Montagsdemo

Philipp Möller als KiBo-Trainer und auf der rechten Weimarer Montagsdemo am 26.9.2022 (Foto Weimar: Raban Eisler) Der KiBo-Trainer Philipp Möller beteiligte sich am 26.9.2022 an der Weimarer Montagsdemo, die sich zu jenem Zeitpunkt für fortgesetzte Handelsbeziehungen mit Russland und gegen eine Unterstützung der Ukraine einsetzte. Die Weimarer Montagsdemo wurde ursprünglich als Protest gegen staatliche Pandemieschutzmaßnahmen begonnen, jedoch bald von der Reichsbürgerszene und weiteren mit Neonazis vernetzten AktivistInnen übernommen. So trat dort bereits 2021 der Antisemit und Reichsbürger Frank Haußner auf und es nahmen regelmäßig junge Neonazis teil. Ein Weimarer Teilnehmer wurde später prominent, als er seine Stelle am örtlichen Amtsgericht verlor: Christian Dettmar hatte in Zusammenarbeit mit u.a. Ivonne Nöhren aus Jena gezielt klagewillige Eltern gesucht, um in rechtsbeugerischer Absicht ein Urteil gegen Maskenzwang für Schüler*innen zu erlassen. Dettmar war als Amtsrichter für dieses Urteil beim Bereich des Verwaltungsgerichts nicht zuständig und hatte zudem gezielt eine Klägerin suchen lassen, deren Nachname vom Anfangsbuchstaben her innerhalb des Amtsgericht ihm zugeordnet werden würde. Es ist diese Szene, der sich Philipp Möller vom KiBo offensichtlich 2022 verbunden fühlte.
Weimarer Cobras: RWE-Anhänger zwischen Hitler-Reels und Kickbox-Training

Instagram-Kultur der Nachwuchsnazis von der RWE-Fangruppe „Weimarer Cobras“: Karl und Kevin Pöllinger (l.), Karl mit seinem Erfurt Kumpel Marc (zeigt Hitlergruß), sowie Arthur Jäckschs Geburtstagsgruß für Hitler Aus dem RWE-Fanspektrum kommt die relativ junge Kleingruppe „Weimarer Cobras“, von denen mehrere Mitglieder beim KiBo Bad Berka Kickboxen trainieren. Im Steigerwaldstadion stehen die Cobras mit eigener Zaunfahne im Stehplatzbereich neben der Kurve der Erfurter Ultras, treten aber selber wie eine Ultragruppe auf. Sie beteiligten sich am Erfurter Block in der bundesweiten Ultra-Demo am 16.11.2025 in Leipzig, die sich gegen verschärfte Repression gegen Ultras und Einschränkung von Fankultur in Stadien richtete. Die Gruppenmitglieder der „Weimarer Cobras“ fielen im vergangenen Jahr dadurch auf, dass mehrere ihrer überwiegend jugendlichen Mitglieder an Demonstrationen von AfD und „Die Heimat“ teilnahmen. In den sozialen Medien zeigen sich die Mitglieder mit Hitlergrüßen, Rechtsrock-Reels und Neonazi-Shirtmotiven. Am 12.7.2025 erschienen mehrere Mitglieder dieser Gruppe zum Naziaufmarsch in Apolda, darunter David Prinz und die Jugendlichen Karl und Ben, die mit ihren Kameraden aus der jüngeren Naziszene aus Apolda und Kahla zu sehen waren.

David Prinz (3.v.l.) und Karl (1.v.r.) mit Kevin Pöllinger (2.v.l.), Benny Franke aus Kahla (4.v.r.) und Andy Prüfer (in rot) beim Naziaufmarsch am 12.7.2025 in Apolda (Foto: Pixelarchiv) Zu einer AfD-Kundgebung in Erfurt am 3.10.2025 erschien Arthur Jäcksch aus derselben Gruppe, wiederum mit Ben aus Weimar. Die beiden kamen in Begleitung weiterer Jugendlicher und des für verschiedenste brutale Übergriffe und eine gut fünfzehnjährige Zugehörigkeit zur militanten Kameradschaftsszene bekannten Weimarers Thomas Holzinger. Holzinger bringt seit Jahren junge Rechte mit zu allerlei rechten Kundgebungen, von Montagsdemos über JA/AfD und Neonaziaufmärschen.

Arthur Jäcksch (1.v.r.), Thomas Holzinger (2.v.r.) und Ben (1.v.l.) bei Höcke in Erfurt am 3.10.2025 (Foto: Pixelarchiv) Die jungen Rechten von den Weimarer Cobras treten just in die Fußstapfen älterer Weimarer Neonazis wie Thomas Holzinger, wenn sie inzwischen ebenfalls am Rande linker Demos als Gruppe zum Provozieren auftauchen. Die für kommende Übergriffe notwendigen Kampftechniken lernen sie nun beim KiBo Bad Berka. Der Großteil der Gruppe hat dieses Jahr vielfach an Trainings teilgenommen, wie Bilder zeigen.

Arthur Jäcksch (oben 4.v.l.), David Prinz (oben 6.v.l.), Danilo Martin (oben 3.v.r.), Ben (oben 2.v.r.), Karl (unten mittig) beim KiBo Training im März 2026 Fazit
Das KiBo Bad Berka reiht sich bedauerlicherweise ein in eine Landschaft von Kampfsportvereinen in der Region, die keine Abgrenzung nach Rechts kennen. Dieses Problem hatten wir in der Vergangenheit bereits in Bezug auf „Invictus Saalfeld“ benannt, wo der Rechtsrocker und Hammerskin-Anhänger Mirko „Barny“ Fritze (geb. Szydlowski) zum inneren Kern gehört. Auch in Jena gab es eine Kampfsportschule, bei der Apoldaer Neonazis als TrainerInnen auftraten. Infolge unserer Veröffentlichung dazu schloss die gesamte Schule. In Bezug auf KiBo Bad Berka muss resümiert werden, dass hier Neonazis wie Stefan Rose trainiert werden, die per einfache Internetsuche als langjährige Rechtsrockmusiker erkannt werden müssten. Durch die Einbindung des KiBo in Kampfsportnetzwerke soll Stefan Rose am 3.10. in München prestigeträchtig mit Live-Übertragung bei BILD+ im Ring stehen. Die Organisatoren dieses Kampfes wurden genauso wie BILD über Roses Hintergrund im Vorfeld informiert, ignorierten jedoch diese Hinweise. Auch Heidi Lorber ist per einfacher Internet-Suche als Teil von Neonazinetzwerken zu entlarven. Sie kann zudem in Kleidung aus Neonaziversänden Trainings beim KiBo durchführen, ohne auf Widersrpuch zu stoßen. Dass Robin Klein, Danilo Martin oder die Mitglieder der „Weimarer Cobras“ nicht nur Fußballfans, sondern rechte Aktivisten sind, wird mit einem ersten Blick auf deren Social Media Profile klar. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese beim Training in Bad Berka bislang nicht durch rechte Sprüche aufgefallen sind. Da das KiBo sehr aktiv auf Instagram postet und die jungen Rechten diese Posts regelmäßig auf ihren Profilen teilen, wäre es unglaubwürdig, dass deren sonstige Neonazi-Postings oder Profilnamen mit „NS“ oder „88“ nicht auffallen. Es ist gleichwohl nicht dem Club selbst das Etikett „rechter Verein“ anzuheften, da die meisten Trainer*innen und Sportler*innen keinerlei Anzeichen für Sympathien für neofaschistische Ideen und Bewegungen zeigen. Der Trainer*innenstab zeigt jedoch genausowenig Anzeichen für ein diesbezügliches Problembewusstsein. Das Problem ist dabei offensichtlich: In Bad Berka werden jene Leute trainiert, die rund um Fußballspiele, rechte Aufmärsche und im Alltag Linke, rassifizierte Menschen und kritische Presse körperlich angreifen. Insofern stellt die aktuelle Trainingspraxis in Bad Berka eine deutliche Gefahr dar.
-
Reich, rechts, russlandtreu (II): Der Kongress „Frieden und Dialog“ auf der Ordensburg Liebstedt im Weimarer Land

Bild vom Kongress 2025 mit dem rechten Jenaer Verschwörungsaktivisten Winfried Merkel in der ersten Reihe in rot Vom 25.-27. September steht in Liebstedt zwischen Weimar und Apolda eine Neuauflage des rechtsoffenen Kongresses „Frieden und Dialog“ an, der vom umtriebigen Unternehmerpaar Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm-Schneider organisiert wird. Auch dieses Jahr werden dort ReferentInnen erwartet, die zur (extrem) rechten und verschwörungsideologischen Mischszene gehören. Der Kongress wird seit 2024 auf der Ordensburg Liebstedt veranstaltet, die zum Imperium von Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm-Schneider gehört, über deren politische Aktivitäten in der extremen Rechten und kremlfreundlichen Szene wir Anfang Juni ausführlich berichteten. Den beiden gehört nicht nur die Toskana-Therme in Bad Sulza nebst weiteren Hotels und Wellness-Einrichtungen, sie sind auch EigentümerInnen des Lokalsenders Salve TV. Wie wir gezeigt haben, nutzen die beiden ihren Sender für die Verbreitung von rechten und menschenfeindlichen Inhalten, wenn etwa Diether Dehm eine eigene Sendung moderiert, Björn Höcke schulterklopfend interviewt wird oder Klaus-Dieter Böhm-Schneider selber gegen marginalisierte Gruppen austeilt. In diesem Artikel wollen wir uns dem politischen und kulturellen Netzwerk der Böhm-Schneiders widmen und dazu den Kongress „Frieden und Dialog“ unter die Lupe nehmen. Wir weisen an dieser Stelle auf den Artikel und den Protest der „Antiverschwurbelten Aktion“ gegen den Kongress im September 2025 hin, von dem hier nachzulesen ist. Die Aktivist*innen nennen den Kongress in ihrem Artikel eine „putinistische Querfront-Veranstaltung“. Diese Einschätzung teilen wir und rufen alle Antifaschist*innen dazu auf, sich mit dem Kongress auseinanderzusetzen und ihn dieses Jahr nicht unwidersprochen geschehen zu lassen.
(mehr …) -
Reich, rechts, russlandtreu (I): Das Unternehmerpaar Böhm-Schneider von Toskana-Therme und Salve TV

Links: Marion Schneider auf dem Großaufmarsch von AfD und Geraer Naziszene in Gera am 3.10.2022; rechts: Klaus-Dieter Böhm-Schneider beim Interview mit Björn Höcke und Dieter Dehm am 23.10.2025 auf Salve TV, gedreht auf der Ordensburg Liebstedt Mit der Erstausgabe der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ sind neue rechte Medien mit der Finanzierung rechter Millionäre aktuell in aller Munde. In Thüringen gibt es dieses Phänomen bereits seit Jahrzehnten als Fernsehformat: Salve TV, geführt vom Unternehmer-Paar Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm-Schneider. Ihre Unternehmen sind weithin bekannt: Die Toskana-Thermen in Bad Sulza, Bad Schandau und Bad Orb mit jeweils dazugehörigen Hotels. Hinzukommt das Hotel Ritter in Fulda, eine Consulting GmbH, Verwaltungsfirmen für ihre Immobilien und eine Filmproduktionsfirma als Teil von Salve TV. Kürzlich wurde zudem die Ordensburg Liebstedt erworben. Das Unternehmer-Paar ist umtriebig, reich und gut vernetzt. Dass sie eine klare rechte politische Agenda verfolgen, wurde bislang leider noch nicht thematisiert. Vielmehr gelingt es ihnen, sich mal als Friedensbewegte, mal als Kunstmäzene und mal als KommunalpolitikerInnen zu inszenieren. Wer ihre Aussagen in den vergangenen zehn Jahren genauer verfolgt hat, muss zu einem anderen Schluss kommen: Marion Schneider und Klaus-Dieter Böhm Schneider nutzen ihren privaten TV-Sender mit Sendefrequenz in Mittel-/Ostthüringen für eine rechte Agenda: Schneider bietet verschiedensten AktivistInnen aus Kreisen von Querdenken, nationalistischen Montagsdemos und putintreuen Milieus eine Plattform, während Böhm-Schneider in einer wöchentlichen Talksendung rechte Stammtischparolen wiederkäut. Das Paar äußert sich seit Jahren deutlich transfeindlich, steht voll hinter der AfD und brennt für Putins Russland. Zeit für einen kritischen Blick auf die SchlossherrInnen aus Auerstedt und Liebstedt im nördlichen Weimarer Land.
(mehr …) -
Von Wörtern und Waffen: Jungeuropa-Vernetzungstreffen in Altenburg mit AfD, Vorfeld und Terrorhelfern
Am Samstag, dem 02. Mai 2026, fand im Dorf Kosma, einem Ortsteil von Altenburg in Thüringen, das überregionale Verlagstreffen des extrem rechten Verlags „Jungeuropa“ statt. Die Veranstaltung diente als Vernetzungstreffen für extrem Rechte aller Couleur. Von AfD-Abgeordneten bis zu NSU-Unterstützern wie André Kapke gaben sich hier VertreterInnen aller Spektren die Klinke in die Hand. Finanziert wurde das Ganze durch die ESN-Fraktion (Europaparlamentsfraktion, die von der AfD dominiert wird) und fünf AfD-Abgeordneten.

Tomasz Froelich (MdE), Torben Braga (MdB), Robert Teske (MdB), Fabian Jank (MdL Brandenburg) und Jean-Pascal Hohm (MdL Brandenburg, „Generation Deutschland“-Bundesvorsitzender) sowie die ESN-Fraktion werden als Förderer der Veranstaltung benannt (Bild: Pixelarchiv) Es handelte sich bei diesem Zusammenkommen um kein Versehen oder Zufall, sondern die logische Fortsetzung des letzten Jungeuropa-Treffens im vergangenen September im sächsischen Freital, über das das Antifa Recherche Team Dresden bereits berichtete. Auch der Jungeuropa-Verlag selbst machte bereits im Vorfeld in der Bewerbung der Veranstaltung klar, wer hier zusammenkommen sollte: „Hier trifft sich der Fußball-Hooligan mit dem Künstler, der flexible Realpolitiker mit dem Vorfeld-Ideologen“. Die ESN und Abgeordnete wie die Thüringer Bundestagsabgeordneten Robert Teske und Torben Braga finanzierten hier also ganz bewusst die Vernetzung zwischen der AfD als parlamentarischem Arm und den militanten bis rechtsterroristischen Neonazistrukturen. Dieses Zusammengehen unterstrich Teske auf seinen Social Media Profilen und präsentierte sich dort in einer Schlange hinter dem NSU-Unterstützer André Kapke mit sichtbarem Schwarze-Sonne-Tattoo.
(mehr …) -
Die identitäre Höcke-Jugend: Gründung der Thüringer ‚Generation Deutschland‘ institutionalisiert neofaschistische Netzwerke

„Remigration“-Aufmarsch der JA Thüringen in Erfurt am 28.10.2023: der Burgkeller-Burschenschafter Timm Westermann (1.v.l.), neuerdings Landesvorstand der Thüringer „Generation Deutschland“, der Burgkeller-Burschenschafter Friedrich Hunger (2. Reihe m. dunklem Bart), Seite an Seite mit den rechten Schlägern Robin Meyer (Sonnenbrille) und Max Sieler (2.v.r.) aus Weimar (Bild: Youtube) Diese Ankündigung dürfte niemanden überrascht haben: Thüringens ehemalige „Junge Alternative“ (JA) hat sich mit Deckungsgleichheit ihres Führungspersonals Mitte Januar in Ilmenau im Hotel Tanne, Sitz der schlagenden Burschenschaft „Vandalia“, neu gegründet. Björn Höcke erschien persönlich, um die Richtung vorzugeben. Die formelle Eingliederung der Jugendorganisation in die Partei wäre in Thüringen kaum nötig gewesen: Die sich rebellisch gebende Jugend ist seit jeher dem Landesparteichef völlig ergeben und zeichnete sich zu keinem Zeitpunkt durch eigene Standpunkte und Kritik an der Parteilinie aus. Die AktivistInnen der ehemaligen JA, die nun als „Generation Deutschland“ weitermachen, sind seit Jahren das Bindeglied zwischen Partei und junger Neonaziszene sowie der „Identitären Bewegung“. Für diese Linie steht auch der neugewählte Vorstand der Thüringer „Generation Deutschland“. Dem neuen Vorstand der Parteijugend gehört als Beisitzer auch Höckes neuer Büroleiter Niklas Aust an, der aus der niedersächsischen Neonaziszene kommt. Der selbstgewählte Spitzname „Höcke-Jugend“ mit Anspielung auf die historische HJ („Hitlerjugend“) passt bestens. Im Folgenden präsentieren wir einen Überblick über das Führungspersonal und die regionalen Schwerpunkte der neu aufgestellten Jugendorganisation.
(mehr …) -
Apoldaer AfD-Doppelmandate: Neonazi in Kreistagsfraktion und Stadträte auf Naziaufmarsch

Sinnbild für den Aufmarsch von AfD Weimarer Land und Neonaziszene um „Die Heimat“ am 12.7.2025 (Pixelarchiv) Die AfD Weimarer Land verkündete Ende Oktober, Ordnungsmaßnahmen gegen zwei ihrer Funktionäre verhängt zu haben. Grund war deren Rolle in der Organisation des Naziaufmarschs in Apolda am 12.7.2025. Was war passiert? Infolge eines Messerangriffs auf einen pensionierten Mitarbeiter des Apoldaer Landratsamtes mobilisierte die extreme Rechte Thüringens zu einem rassistischen Aufmarsch am 12.7. Aufgerufen wurde einhellig von Teilen der AfD, dem Montagsdemo-Spektrum aus ReichsbürgerInnen und VerschwörungsideologInnen sowie der militanten Neonaziszene von „Die Heimat“ bis ins Kameradschaftsmilieu. Im Vorfeld des Aufmarschs gab es öffentliche Kritik an der sich anbahnenden Zusammenarbeit von AfD und Neonaziszene. Die AfD Weimarer Land begann ihr übliches zweigleisiges Spiel: Teile der Partei signalisierten der aktivistischen extrem rechten Basis ihre Treue durch vermeintliche Standhaftigkeit, während Funktionäre sich mit öffentlichen Distanzierungen von der Neonaziszene, um das noch nicht völlig verrohte CDU-nahe Milieu bemühte, das zumindest nach außen hin nichts mit NS-Ideologie zu tun haben will.
Im Nachgang des Aufmarschs wurde dieses Spiel mit der Ankündigung fortgesetzt, „Sanktionen“ gegen einzelne Organisatoren des Naziaufmarschs zu prüfen. Drei Monate später wurde die Verhängung von Ordnungsmaßnahmen gegen zwei Mitglieder verkündet, ohne Einzelheiten zu nennen. Tatsächlich sitzt für die AfD ein lange aktiver Neonazi im Kreistag Weimarer Land, der den Aufmarsch am 12.7. zusammen mit weiteren Parteifunktionären aus Kreistag und Stadtrat Apolda organisierte. Zwei Reichsbürger aus dem AfD-Verband Saale-Orla-Kreis und aus dem Parteiumfeld im Weimarer Land waren Anmelder. Als Ordner fungierten militante Kameradschafter, die uniformiert als „deutsche Landser“ mit Reichsadlern auftraten. Ein weiteres Mal blicken wir in diesem Artikel auf die unterschätzten braunen Netzwerke in der Jenaer Nachbarstadt Apolda. Dieses Mal liegt der Fokus auf der AfD und darauf, wie die CDU-geführte Stadtspitze Apoldas den FaschistInnen den Weg bereitet.
(mehr …) -
Personenübersichten zur (extremen) Rechten in Jena
Wir veröffentlichen an dieser Stelle Übersichten zu rechtskonservativen und extrem rechten Personen in Jena. Es finden sich hier Personen, die aktuell eine relevante politische Rolle in der gesellschaftlichen Rechten in Jena einnehmen, oder dies in der Vergangenheit taten und sich nie glaubwürdig davon distanziert haben. Dabei handelt es sich auch, aber nicht nur, um Neonazis. In den Übersichten finden sich außerdem christliche FundamentalistInnen und rechte Konservative. Diese Gruppen setzen wir nicht mit Neonazis gleich – wir denken, dass es wichtig ist, das gesamte rechte Spektrum aus antifaschistischer Perspektive zu analysieren und zu bekämpfen. Von diesen Personengruppen gehen unterschiedliche Gefahren und Formen der Gewalt aus und entsprechend differenziert sollte antifaschistisches Agieren gegen diese aussehen. Unser Ziel ist es dabei, möglichst vielen Menschen Wissen über diese Personen, Strukturen und Ideologien zugänglich zu machen. Bestenfalls wird den Nazis der neuen und alten Rechten und ihren Ideen Raum genommen. Wenigstens aber wollen wir die Menschen, die (potentiell) Ziel von rechten Angriffen sind, warnen, mit wem sie es in ihrer Nachbar*innenschaft, ihrem Verein, ihrer Veranstaltung oder in ihrer Kita zu tun haben.
Wir veröffentlichen diese Informationen nicht leichtfertig, sondern reflektieren, welche Informationen wir zugänglich machen. Dabei spielen Faktoren wie die politische Relevanz, das Netzwerk und die Gewaltbereitschaft der entsprechenden Personen eine Rolle. Zudem nehmen wir, so gut wir können, die aktuellen Lebensumstände der Personen in den Blick und setzen uns mit dem Alter, dem sozialen Status oder besonders vulnerablen Lebenssituationen auseinander. Was mit den Rechercheergebnissen nach der Veröffentlichung passiert, liegt nicht mehr in unserer Hand.
Diese Personenübersichten decken sicherlich nicht alle Rechten in Jena ab. Manche Personen haben wir bewusst weggelassen, manche haben wir womöglich nicht auf dem Schirm. Wenn ihr von weiteren rechten Personen wisst oder ergänzende Informationen zu Personen aus der Liste habt, kontaktiert uns bitte per Mail an recherche-jena-shk@riseup.net (PGP-Key). Wir freuen uns immer über eure Hinweise.
Übersichten
-
Was von der „Gerschen Jugend“ übrig bleibt

Aufruf von Anthony Scholz für die GJ gegen den CSD Gera am 27. September 2025 (Bild: Instagram) Bereits im Mai 2025 stellten wir fest, dass die Jungnazigruppe „Gersche Jugend“ aus Gera ihren Zenit überschritten hat. Konnte die im Sommer 2024 unter Führung von Eric Vogelgesang und Etienne Klupp gegründete Jugendgruppe zu einzelnen extrem rechten Aufmärschen eine größere Zahl Jugendliche aus Gera mobilisieren, nahm diese Mobilisierungfähigkeit zum Jahreswechsel stark ab. In den zurückliegenden Monaten scheint sich der Niedergang bis zum Zerfall verstetigt zu haben. Doch auch wenn die Struktur gescheitert scheint, sind einzelne Mitglieder mittlerweile in anderen Strukturen aktiv und zeigen mit einer Ankündigung vom 8. August auf Instagram zu einem rechten Gegenprotest gegen den Geraer Christopher Street Day am 27. September 2025 neue Lebenszeichen. Es bleibt fraglich, ob sich hier eine wirkliche Reorganisation abzeichnet. Angriffe und Morddrohungen gegen queere und linke Menschen in Gera zeigen jedoch, dass von den Beteiligten nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Gefahr ausgeht. Darüber hinaus sind mehrere der ehemaligen Mitglieder mit Rechtsterroristen aus anderen Städten vernetzt. Das sich hier abbildende Gewaltpotential braucht für seine Entfaltung nicht zwangsläufig die „Gersche Jugend“ als Struktur. Daher sehen wir es als wichtig an, die einzelnen AkteurInnen, die über die Gruppe hinaus aktiv sind, hier noch einmal zu beleuchten.
(mehr …) -
Junge Rechte in Thüringen – von Netzaktivismus zu Straßengewalt

Die Mittelthüringer Neonazijugend rund um die „Nationalrevolutionäre Jugend (NRJ) des III. Weg am 31.8.2024 beim AfD-Wahlkampfabschluss in Erfurt; mittig im Shirt vom „Kampf der Nibelungen“: Robin Klein aus Bad Berka (Bild: Pixelarchiv) Rechts zu sein ist in der Thüringer Jugend Trend. Ihr Aktivismus beginnt bei rechter Selbstinszenierung und rechtem Hass auf Social Media, Raumnahmeversuchen durch Sticker-Aktionen und mündet nicht selten in physischer Gewalt gegen Personen, die nicht in ihr rechtsextremes Weltbild passen. Mal sind sie Teil diffuser rechter Cliquenstrukturen, mal in organisierteren (aber dennoch häufig stark fluktuierenden) Gruppen und Netzwerken aktiv – oder auch an klassische extrem rechte Parteistrukturen angebunden.
In diesem Artikel möchten wir einen Überblick über die verschiedenen Aktions- und Organisationsformen geben und über die Gefahren informieren, die von rechten Jugendlichen in Thüringen ausgehen. Wir werden dafür auf einige Thüringer Beispiele eingehen, aber bei weitem nicht alle Jungnazi-Strukturen in Thüringen abbilden können.
(mehr …)
