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  • Rechte Haken im Weimarer Land: Neonazis als Trainerin und Wettkämpfer beim Kickboxing Bad Berka

    Titelbereich mit dem Titel „Rechte Haken im Weimarer Land: Neonazis als Trainerin und Wettkämpfer beim Kickboxing Bad Berka“. Darunter sieht man eine Bildmontage auf zwei Bilder. Links sieht man ein KI-erstelltes Werbebild für Stefan Roses Kampf am 3.10. in München mit einem Bild von ihm, seinem Namen und „KiBo Bad Berka - No. 1 in Sachen Kickboxen im Weimarer Land“. Rechts sieht man ein verdeckt aufgenommenes Foto aus Brandenburg, wo Stefan Rose in einer schwarzen Adidas-Trainingsjacke mit seinen Apoldaer Kameraden, teils mit Sonnenbrillen zu sehen ist. Bildunterschrift: „links: KiBo-Werbung mit Stefan Rose für den Kampf am 3.10.2026 im Cirkus Krone in München; rechts: Stefan Rose (mittig in Trainingsjacke) auf der Beerdigung für den Rechtsrockmusiker Christian Dürre in Beeskow am 18.8.2023 (Foto: Recherche Nord)“
    links: KiBo-Werbung mit Stefan Rose für den Kampf am 3.10.2026 im Cirkus Krone in München; rechts: Stefan Rose (mittig in Trainingsjacke) auf der Beerdigung für den Rechtsrockmusiker Christian Dürre in Beeskow am 18.8.2023 (Foto: Recherche Nord)

    Am 3.10.2026 steht in München ein bekannter Neonazi für „KiBo“ Bad Berka im Ring: Stefan Rose von der Apoldaer Rechtsrockband „12 Golden Years“. Die Fight Night soll von BILD+ live übertragen werden und bietet dem Neonazi somit eine weitaus größere Bühne als bei früheren klandestin organisierten NS-Konzerten. Bei „Kickboxing Bad Berka“, kurz „KiBo“, wird seit einigen Jahren neben klassischem Boxen und Kickboxen auch Fitness- und Kindertraining angeboten. Zu den Gründungsmitgliedern gehört Heidi Lorber, die seit gut 15 Jahren in der Neonaziszene aktiv ist. Lorber war zunächst Kindertrainerin und bietet nun ein Frauentraining an. Neben diesen exponierten Personen trainieren weitere junge Neonazis aus dem Umfeld der Erfurter Hooliganszene und der militanten Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ in Bad Berka Kampfsport. Nur wenige Kilometer von Jena entfernt werden exakt jene Kreise in Kampftechniken ausgebildet, von denen brutale Übergriffe zu befürchten sind. Im Folgenden zeigen wir mit einer Übersicht, welche Rechten beim KiBo trainieren und welchen Netzwerken sie zuzuordnen sind.

    KiBo-Trainerin und Neonazi-Model: Heidi Lorber

    Werbung vom KiBo mit Heidi Lorber vor schwarzem Hintergrund in Boxerinnenpose. In pinker Schrift wird für das Frauen- und Anfängerinnentraining mit Lorber beim KiBo geworben.
    Heidi Lorber als KiBo-Trainerin September 2026

    Heidi Lorber kommt aus Bad Berka und ist schon seit gut fünfzehn Jahren in der Neonazi-Szene aktiv. Lorber zählt zum Umfeld der früheren „Kameradschaft Apolda“ und ist vor allem als Anhängerin von Neonazi-Musik auf Veranstaltungen aufgefallen. Als die Ostthüringer Neonaziszene am 15.6.2013 in Kahla den „Thüringentag der nationalen Jugend“ abhielt, nahm Heidi Lorber in Begleitung eines Brandenburger Neonazi-Musikers teil. Lorber demonstrierte mit ihrer Teilnahme in Kahla auch ihre Solidarität mit dem zu jener Zeit in Untersuchungshaft sitzenden NSU-Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben, für den mit dem Festival Spenden gesammelt wurden. Drei Wochen später nahm Heidi Lorber am Neonazi-Festival „Rock für Deutschland“ in Gera teil, dieses Mal an der Seite von Ronny Linke aus Weimar. Linke war schon mit dem NSU-Kerntrio in den Neunzigern bekannt und ist seither unbeirrbarer Aktivist des militanten und seit 2000 verbotenen Netzwerks „Blood and Honour“.

    Heidi Lorber ist in einem türkisen Top und offenen schwarzen Haaren neben Ronny Linke zu sehen, der über einem weißen Shirt eine Lederkutte trägt. Im Hintergrund ist ein weißer Pavillon zu sehen, im Vordergrund Patrick Weber mit einem Shirt seines Festivals „In.Bewegung“
    Heidi Lorber und Ronny Linke von Blood&Honour am 6.7.2013 auf dem „Rock für Deutschland“ in Gera

    Lorber beteiligte sich auch an der bis dato letzten Ausgabe des „Rock für Deutschland“ in Gera am 1.7.2017. Das Festival hatte bis zu vierstellige BesucherInnenzahlen und konnte namhafte deutsche Neonazi-Bands sowie eine HS-Hardcore-Band aus Südtirol vorweisen. Der NSU-Helfer André Eminger betreute auf dem Festival einen Stand der „Gefangenenhilfe“, die sich für seinen damals weiterhin inhaftierten Mitangeklagten Ralf Wohlleben einsetzte.

    Heidi Lorber ist in Jeansjacke und mit Bierbecher zwischen Neonazis vor dem Konzertzelt auf dem Geraer Hofwiesenparkplatz zu sehen.
    Heidi Lorber auf dem „Rock für Deutschland“ in Gera am 1.7.2017

    Als Ronny Linke und weitere Ostthüringer Neonazis versuchten, sich im zwar verbotenen, aber weiter prestigeträchtigen „Blood and Honour“-Netzwerk neu zu positionieren, war im Sommer 2019 wiederum Heidi Lorber dabei. Die Neonazis luden mit „Brutal Attack“ aus England ein Flagschiff von „Blood and Honour“ ein, was zur Legitimierung des von Konkurrenzen geprägten und zersplitterten Untergrundnetzwerks gilt. Das Konzert fand mutmaßlich im Weimarer Land statt. Wie eng Heidi Lorber diesen militanten Netzwerken und deren Ideologie ist, demonstrierte sie der Öffentlichkeit im Jahr 2020, als sie mit der Absicht, anonym zu bleiben, für den Apoldaer Neonazi-Versand „Nordrausch“ von Fabian Kellermann posierte. Kellermann übernahm ein Jahr später den etablierten Versandhandel „Das Zeughaus“, der dem „Blood and Honour“ Netzwerk nahesteht. Das Bekenntnis auf dem von Heidi Lorber präsentierten Shirtmotiv für den Versand ist eindeutig: „NS Streetwear“. Lorber ist anhand ihrer Tattoos eindeutig zu erkennen. Aus ihrer Zugehörigkeit zur Neonaziszene macht Heidi Lorber auch beim KiBo Bad Berka keinen Hehl. Ganz im Gegenteil, nimmt sie doch in Kleidung der von Neonazis betriebenen Marke „Pro Violence“ an Trainings teil. Vom sächsischen Rechtsrock-Label „OPOS“ (One People One Struggle) trägt Lorber auch bei von ihr geleiteten Trainings Merchandise mit „One Family“, was sich auf die von OPOS propagierte Idee eines Kampfes für eine weiße völkische Vorherrschaft bezieht. Bilder davon veröffentlicht KiBo Bad Berka selber freimütig.

    Heidi Lorber kniet vor einer Gruppe von Frauen in Boxpose. Sie trägt dabei ein schwarzes Shirt mit dem Aufdruck „One Family“. Die anderen Frauen sind durch Emojis oder schwarze Balken anonymisiert.
    Heidi Lorber im Shirt des Neonazi-Labels „OPOS“ als KiBo-Trainerin im September 2024 (Bild: Facebook)

    KiBo-Wettkämpfer und Rechtsrocker: Stefan Rose

    Stefan Rose ist in zweiter Reihe auf einem Gruppenfoto vom Training beim KiBo in Boxpose zu sehen. An der Wand hängt groß der Spruch: „Disziplin schlägt Motivation“
    Stefan Rose (oben rechts) beim KiBo Bad Berka im September 2026

    Stefan Rose kommt ursprünglich aus Auerstedt im nordöstlichen Weimarer Land. Dort stieß er in den späten 2000er Jahren zur Neonaziszene hinzu, die sich um die „Kameradschaft Apolda“ sammelte. Rose begann mit anderen Apoldaer Neonazis als „12 Golden Years“ den Sound der Neonazi-Skinhead-Bands der 1990er nachzuspielen. Der Bandname ist dabei Programm: Rose und seine Kameraden glorifizieren die 12 Jahre der NS-Herrschaft, verbreiten Rassismus und antisemitische Hetze. Das Bekenntnis zu dieser Musik trägt Rose in Form eines „Hatecore“-Tattoos auf dem rechten Unterarm. Nach Dutzenden Live-Auftritten und mehreren Alben wurde es die vergangenen Jahre merklich ruhiger um die Band. Dies könnte auch mit einer Veröffentlichung Ende 2020 auf diesem Blog zu den Umtrieben von Rose & Co zu tun haben.

    Gruppenfoto einer Männergruppe. Stefan Rose ist ganz links mit Vollbart und in einem schwarzen Shirt mit gelber aufschrift „12 Golden Years“ zu sehen. Neben ihm stehen weitere Neonazis, teils in schwarzer Kutte, teils in Shirt mit Totenkopf. Bildunterschrift: „Apoldaer Neonazi-Ausflug 2016: (v.l.) Stefan Rose (Shirt „12 Golden Years“), unbekannt, Christian Steinbrück, Manfred Wiemer, Christian Jewanski (unten), John Romankewitz, Matthias Putze, Marcel Selbmann“
    Apoldaer Neonazi-Ausflug 2016: (v.l.) Stefan Rose (Shirt „12 Golden Years“), unbekannt, Christian Steinbrück, Manfred Wiemer, Christian Jewanski (unten), John Romankewitz, Matthias Putze, Marcel Selbmann

    Stefan Rose zog zwischenzeitlich nach Mönchenholzhausen zwischen Weimar und Erfurt. Er ist als freier Fotograf und Filmer tätig, sowohl auf Hochzeiten als auch für Sport- und Dorfkulturvereine. Auch das KiBo Bad Berka lässt sich beim Marketing von Roses Fotos helfen. Wie verbunden Stefan Rose und seine Kameraden der militanten Naziszene nach wie vor sind, zeigte sich 2023 bei mehreren Anlässen: Im Frühjahr 2023 waren Roses Bandkollegen ohne ihn selber bei einem von bundesweiter Beteiligung geprägten Neonazi-Konzert in Neumünster, das unter Krawallen der Nazis von der Polizei aufgelöst wurde. Im August 2023 war auf verdeckt gemachten Aufnahmen von einer Beerdigung im brandenburgischen Beeskow auch Stefan Rose selbst, zusammen mit Bandkollegen von „12 Golden Years“ und weiteren Kadern der Apoldaer Kameradschaftsszene, zu sehen. Die Gruppe nahm an der Beerdigung des Rechtsrockmusikers Christian Dürre teil. Dürre war Schlagzeuger in mindestens fünf Rechtsrockbands, darunter die mit seinem Bruder Nico Dürre betriebene Beeskower Band „Frontfeuer“, aber auch die „Landser“-Nachfolgeband „Die Lunikoff Verschwörung“. Dürre spielte live mit dem bei Weimar wohnhaften Manfred Wiemer mit dessen Neonazi-Kultband „Radikahl“.

    Stefan Rose ist mit längerem Vollbart, schwarzer Hose und schwarzer Adidas-Trainingsjacke zwischen weiteren schwarz gekleideten Neonazis in Beeskow zu sehen. Im Vordergrund ist in weißem Hemd und mit von der Kamera abgewendetem Blick Thorsten Heise zu sehen. Bildunterschrift: „(v.l.) Christoph Wolter (m. Cap, verdeckt), Christoph Walther („12 Golden Years“), Robert Hoyer, Stefan Rose (Trainingsjacke), Neonazi-Funktionär Thorsten Heise (in weiß), Nadine Heise und Andre Groth (1.v.r.) und am 18.8.2023 in Beeskow (Recherche Nord)“
    (v.l.) Christoph Wolter (m. Cap, verdeckt), Christoph Walther („12 Golden Years“), Robert Hoyer, Stefan Rose (Trainingsjacke), Neonazi-Funktionär Thorsten Heise (in weiß), Nadine Heise und Andre Groth (1.v.r.) und am 18.8.2023 in Beeskow (Recherche Nord)

    Seit diesem Jahr ist Stefan Rose regelmäßig bei Trainings beim KiBo Bad Berka zu sehen und bestritt im August in Grimma seinen ersten Box-Wettkampf mit Unterstützung vom KiBo. Rose war schon früher Hobbyboxer und trainierte u.a. vor 5-6 Jahren im Freien mit Apoldaer Kameradschaftsaktivisten. Nun hat er einen Verein gefunden, der ihn in Kampftechniken trainiert und in den Wettkampfsport einführt.

    Stefan Rose ist in rotem Tanktop beim Boxschlag gegen einen in blau gekleideten Gegner im Boxring auf einem Screenshot eines Videomitschnitts zu sehen.
    Stefan Rose bei der Fight Night in Grimma am 22.8.2026

    III.Weg-Anhänger und Hooligan-Umfeld: Robin Klein

    Unter der grafischen Überschrift „Zirkeltraining mit Coach Daniel“ ist Robin Klein kniend neben zwei durch Emojis anonymisierten Kindern sowie einem Mann und einer Frau beim KiBo-Training zu sehen.
    Robin Klein (unten) im KiBo Bad Berka im August 2024

    Robin Klein ist ein weiterer Neonazi-Aktivist, der seit Längerem beim KiBo trainiert. Er kommt aus Blankenhain und ist seit mehreren Jahren in der Thüringer Neonaziszene aktiv. Klein fiel zuerst auf, als er am 1. Mai 2023 mit einer Thüringer Abordnung der kurzzeitig sehr aktiven „Neue Stärke Partei“ (NSP) zu einer Neonazi-Kundgebung nach Waren/Müritz fuhr. Die NSP war eine Nachfolgegruppe des im Streit mit der restlichen Partei aufgelösten Erfurter Ablegers vom III. Weg. Angeführt wurde diese Gruppe von Neonazis aus dem Fußball- und Hooliganmilieu des FC Rot-weiß Erfurt (RWE).

    Robin Klein steht mit grüner Fahne der „Neue Stärke Partei“ und Schlauchschal am Hals in einer Kundgebung. Mittig ist Sabrina Töpfer bei einer Rede am Mikrofon zu sehen. Im Hintergrund stehen mehrere Neonazis hinter einem Banner.
    (v.l.n.r.) Robin Klein, Sabrina Töpfer, Enrico Biczysko, Christoph Thews, Philipp Volkenanndt in Waren am 1.5.2023 (Foto: Recherche Nord)

    Das Erfurter Fußballmilieu beförderte rund um Nick Schwiderski, einen früheren Aktivisten der NSP, in der darauffolgenden Zeit eine neue Mobilisierung junger Neonazis, zu der auch Robin Klein gehörte. Im Februar 2024 marschierte dieses Dutzend junger Rechter hinter einem Banner „Thüringens Jugend“ im bundesweit größten Neonaziaufmarsch durch Dresden. Die Teilnehmer dieses Thüringer Blocks rekrutierten sich durchgängig aus dem jüngeren und rechten Teil der Erfurter Fußballszene, maßgeblich aus Erfurt, dem Raum Sömmerda und dem Weimarer Land.

    Eine Gruppe junger Männer in schwarzer Outdoor-Kleidung steht nassgeregnet auf dem Dresdener Naziaufmarsch. Sie halten ein schwarz-weißes Banner mit dem Spruch: „Eure Bomben haben unseren Geist nicht gebrochen“. Robin Klein steht links und hat einen Schlauchschal halb übers Kinn gezogen.
    Robin Klein (1.v.l.) und Nicklas Holzheu aus Stobra bei Apolda (1.v.r.) am 11.2.2024 in Dresden (Foto: Pixelarchiv)

    Robin Klein organisierte sich jedoch auch über den Fußball und solche Aufmarschbesuche wie in Dresden hinaus in der Neonaziszene. So wurde er in der „Nationalrevolutionären Jugend“ (NRJ) aktiv, der Jugendorganisation der militanten Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ (III. Weg). Die Gruppe ist vielerorts für erlebnisorientierte Aktivitäten für junge Männer, Propagandaaktionen und Kampfsporttraining bekannt. In Orten wie Zwickau, Berlin oder Erfurt haben sich ihre Mitglieder auch mit brutalen Übergriffen auf Linke und Antifaschist*innen einen Namen gemacht. Robin Klein beteiligte sich am 22.3.2024 an einem internen Kampfsporttraining der NRJ in den Räumlichkeiten der Partei in Ohrdruf im Landkreis Gotha. Teilnehmer und mutmaßlich auch Anleiter war der aus Nordbayern stammende militante Neonazi Nils Kirrbach, der auch enge Verbindungen zu „Knockout 51“ und „Combat 18“ hat.

    zwei Fotos vom Kampfsporttraining in Ohrdruf: Oben sieht man eine Gruppe junger Personen im Kreis stehen. Robin Klein trägt ein rotes Shirt vom „Kampf der Nibelungen“ und eine rote Shorts dazu. Man sieht leicht verschwommen Nils Kirrchbach mit Boxerfrisur und vielen Tattoos am ganzen Köfper. Auf dem unteren Bild sind 2er-Paare beim Sparring zu sehen.
    Robin Klein (oben links in rot) und Nils Kirrbach (oben 1.v.l., unten Mitte) beim Kamfpsporttraining des III. Weg in Ohrdruf am 22.3.2924

    Fünf Wochen nach dem Kampfsporttraining beim III. Weg marschierte Robin Klein mit der Partei zum 1. Mai 2024 durch Sonneberg. Der Aufmarsch war nur intern beworben und kurzfristig angemeldet worden, offenbar zur Vorbeugung von Gegenprotesten. Robin Klein trug das Shirt der NRJ und lief gemeinsam mit Erfurter Kameraden.

    Robin Klein ist mit einem Shirt mit einem Schwert und einem Lorbeerkranz im Aufmarsch vom III. Weg am 1.5.2024 in Sonneberg zu sehen. Der Aufmarsch wird von grün und senfgeld dominiert, auf Plakaten steht „kriminelle Ausländer raus!“
    Robin Klein mit der „Nationalrevolutionären Jugend“ beim III. Weg in Sonneberg am 1.5.2024

    Zur Abschlusskundgebung der AfD im Landtagswahlkampf Thüringen am 31.8.2024 kam die gesamte rechte Jugendszene von Rot-Weiß Erfurt, der NRJ und weiteren losen Neonazigruppen aus Thüringen zusammen. Im Vorfeld wurde bereits ein Gruppenfoto mit einem Banner „Kommunisten behindert schlagen“ geschossen, an dem auch Robin Klein teilnahm. Später war er auch auf dem Domplatz in einem Shirt der Neonazi-Kampfsportserie „Kampf der Niblungen“ zu sehen.

    Neonazi und Hooligan-Umfeld: Danilo Martin

    Gruppenfoto nach dem Kickboxtraining beim KiBo, mit KiBo-Grafik überm Foto eingearbeitet. Ca. zwölf Personen stehen mit in Boxpose erhobenen Fäusten im Halbkreis im Ring. Auf der rechten Seite sind Neonazis zu sehen. Bildunterschrift: „Nazis im Training beim KiBo am 5.12.2024: Danilo Martin (4.v.r.), Robin Klein (3.v.r.), Kevin Pöllinger (2.v.r.), David Prinz (1.v.r.) und Heidi Lorber (unten r.)“
    Nazis im Training beim KiBo am 5.12.2024: Danilo Martin (4.v.r.), Robin Klein (3.v.r.), Kevin Pöllinger (2.v.r.), David Prinz (1.v.r.) und Heidi Lorber (unten r.)

    Danilo Martin kommt aus Nohra zwischen Weimar und Erfurt und ist schon seit über zehn Jahren in der Naziszene aktiv. Martin lief bereits als Jugendlicher beim Naziaufmarsch in Weimar mit, der jährlich im Februar stattfand. Hier kamen Jahr für Jahr militante Neonazis und Shoa-Leugner aus ganz Deutschland zusammen, um anlässlich des Jahrestags der Bombardierung Weimars im zweiten Welktrieg einen revisionistischen Aufmarsch mit dem Ziel einer Schuldumkehr abzuhalten. Im Jahr 2014 lief auch Danilo Martin im Aufmarsch mit, hinter dem Transparent der Kameradschaftsszene aus Leipzig. Ein Jahr später war Danilo Martin erneut dabei.

    Eine Gruppe Neonazis wird vom Weimarer Bahnhof von der Polizei eskortiert. Danilo Martin läuft mit Zigarette im Mund und dunkler Kleidung in der Bildmitte
    Danilo Martin (Mitte) auf dem Naziaufmarsch am 7.2.2015 in Weimar (Foto: Sören Kohlhuber)

    Danach war von Martin längere Zeit nicht viel auf rechten Veranstaltungen zu sehen. Abseits der Politik war er Fußballer beim Isserodaer SV und im Dorfleben bei der Kirmesgesellschaft Nohra aktiv. Als die AfD ihren Wahlkampfabschluss zur Thüringer Landtagswahl am 31.8.2024 auf dem Erfurter Domplatz feierte, tauchte Martin dann inmitten einer großen Gruppe jugendlicher Neonazis wieder auf. Diese sammelten sich um Eric Krempler aus Eisenach und Aktivisten der damalig noch existenten „Nationalrevolutionären Jugend“ Erfurt (NRJ) des III. Weg.

    Man sieht vier Personen auf dem Erfurter Domplatz. Links steht Eric Krempler mit Glatze und Sonnenbrille, daneben seine damalige Freundin Ida Wolf mit offenen blonden Haaren und weißem Shirt. Daneben steht ein Mann in schwarzer Kleidung und rechts Danilo Martin mit kurzer Scheitelfrisur, Shirt von „Label 23“, Sonnenbrille und verschränkten Armen. Bildunterschrift: „Danilo Martin (1·v.r.) mit Eric Krempler (1.v.l.) und Ida Wolf (2.v.l.) auf dem AfD-Wahlkampfabschluss in Erfurt am 31.8.2024 (Foto: Recherche Nord)“
    Danilo Martin (1·v.r.) mit Eric Krempler (1.v.l.) und Ida Wolf (2.v.l.) auf dem AfD-Wahlkampfabschluss in Erfurt am 31.8.2024 (Foto: Recherche Nord)

    Im selben Zeitraum begann Martin mit regelmäßigem Kickboxtraining beim relativ neu gegründeten „Kickboxing Bad Berka“. Dabei war er oft zusammen mit dem bereits erwähnten Robin Klein zu sehen. Die beiden zählen zudem zum rechten Teil der Fanszene beim Rot-Weiß Erfurt und stehen mittlerweile regelmäßig beim früheren „Jungsturm Erfurt“ im Steigerwaldstadion, der sich hinter der Zaunfahne „Armada“ im Sitzplatzbereich sammelt. Auch beim Training machte Danilo Martin keinen Hehl aus seiner rechten Haltung, wenn er etwa in Shirts der Cottbusser Neonazimarke „Label 23“ trainiert und das auch im Netz präsentierte.

    schwarz-weiß Foto von Danilo Martin in einem Shirt von „Label 23“ beim Boxtraining beim KiBo
    Danilo Martin in der Neonazimarke „Label 23“ beim Training im KiBo

    Neonazi-Aktivist: Kevin Pöllinger

    vor einer in der oberen Hälfte rot gestrichenen Wand steht eine Gruppe junger Männer in Boxpose. Darüber steht „KiBo Classic Boxing Crew“. Kevin Pöllinger steht vorne ganz links, Robin Klein vorne als 3. von links.
    Kevin Pöllinger (1.v.l.) und Robin Klein (3.v.l.) im November 2024 beim Boxtraining bei KiBo

    Kevin Pöllinger kommt aus Weimar und zählt zu einer losen Neonazi-Clique aus dem Weimarer Land. Er nimmt seit Jahren an Kundgebungen und Aufmärschen der Neonaziszene teil. Pöllinger ist häufiger mit gleichaltrigen Neonazis aus Kahla unterwegs, sowohl bei privaten Festen, als auch auf Veranstaltungen. Als etwa David Köckert in Greiz zu einer rechten Kundgebung im Februar 2024 mobilisierte, erschien auch Pöllinger und war bei Sprechchören zu sehen.

    Screenshot aus einem Youtube-Stream aus Greiz, auf dem vorne mit Glatze Andy Fahl zu sehen ist, dahinter Ian Bütow mit Glatze und schwarz-weiß roter Jacke und daneben Kevin Pöllinger und Benny Franke, beide in schwarz. Alle haben beim Parolen rufen die Münder offen.
    (v.l.n.r.) Ian Bütow, Andy Fahl, Kevin Pöllinger und Benny Franke am 3.2.2024 auf einer Neonazikundgebung in Greiz (Bild: Youtube)

    Mit seinen Kahlaer Kameraden verbrachte Pöllinger Abende am Turm vor dem ehemaligen KZ Buchenwald oberhalb von Weimar. Von hier veröffentlichten die Neonazis etwa dieses Foto im April 2024. An der Gedenkstätte kommt es in den vergangenen Jahren immer wieder zu neonazistischen Schmierereien und Sachbeschädigungen, auch in der zweiten Hälfte des Jahres 2024.

    Gruppenfoto von vier jungen Männern in der Dämmerung vor dem Turm von Buchenwald. Drei Personen, darunter Kevin Pöllinger in einer Yakuza-Jacke halten die rechte Faust geballt, Ian Bütow steht rechts daneben.
    (v.l.n.r.) Colin, Benny Franke, Kevin Pöllinger, Ian Bütow vor dem Turm am ehemaligen KZ Buchenwald im April 2024

    Zusammen mit dem Neonazi-Aktivisten Michael Engling aus Mellingen lief Pöllinger mitsamt seiner Kahlaer Kameraden auch im Naziaufmarsch von „Die Heimat“ am 1.5.2025 durch Gera.

    Foto vom Naziaufmarsch in Gera am 1. Mai 2025, auf dem Pöllinge rin schwarzem Shirt, kurzer Hose und Scheitelfrisur im Vordergrund zu sehen ist. Um ihn herum sind weitere Nazis in Szene-Shirts zu sehen. Im Hintergrund tragen Teilnehmer Flaggen von „Die Heimat“.
    Kevin Pöllinger (Mitte m. Jeans, Robin Franke (in braun), Colin (2. Reihe m. Sonnenbrille) und Michael Engling (Anglerhut) auf dem Naziaufmarsch in Gera am 1.5.2025 (Foto: Pixelarchiv)

    Trainer auf rechter Montagsdemo

    Bildmontage. Links sieht man eine Grafik mit Philipp Möller in den weiß-roten Farben des KiBo und der Schrift: „Trainer Philipp Möller: Classic Boxen Wettkampftraining“. Rechts sieht man Philipp Möller in Jogginghose und mit umgedrehter Cap im Dunkeln in der Weimarer Montagsdemo neben einem Hochbanner: „Grün - wir sehen schwarz“
    Philipp Möller als KiBo-Trainer und auf der rechten Weimarer Montagsdemo am 26.9.2022 (Foto Weimar: Raban Eisler)

    Der KiBo-Trainer Philipp Möller beteiligte sich am 26.9.2022 an der Weimarer Montagsdemo, die sich zu jenem Zeitpunkt für fortgesetzte Handelsbeziehungen mit Russland und gegen eine Unterstützung der Ukraine einsetzte. Die Weimarer Montagsdemo wurde ursprünglich als Protest gegen staatliche Pandemieschutzmaßnahmen begonnen, jedoch bald von der Reichsbürgerszene und weiteren mit Neonazis vernetzten AktivistInnen übernommen. So trat dort bereits 2021 der Antisemit und Reichsbürger Frank Haußner auf und es nahmen regelmäßig junge Neonazis teil. Ein Weimarer Teilnehmer wurde später prominent, als er seine Stelle am örtlichen Amtsgericht verlor: Christian Dettmar hatte in Zusammenarbeit mit u.a. Ivonne Nöhren aus Jena gezielt klagewillige Eltern gesucht, um in rechtsbeugerischer Absicht ein Urteil gegen Maskenzwang für Schüler*innen zu erlassen. Dettmar war als Amtsrichter für dieses Urteil beim Bereich des Verwaltungsgerichts nicht zuständig und hatte zudem gezielt eine Klägerin suchen lassen, deren Nachname vom Anfangsbuchstaben her innerhalb des Amtsgericht ihm zugeordnet werden würde. Es ist diese Szene, der sich Philipp Möller vom KiBo offensichtlich 2022 verbunden fühlte.

    Weimarer Cobras: RWE-Anhänger zwischen Hitler-Reels und Kickbox-Training

    Foto vom Naziaufmarsch in Gera am 1. Mai 2025, auf dem Pöllinger in schwarzem Shirt, kurzer Hose und Scheitelfrisur im Vordergrund zu sehen ist. Um ihn herum sind weitere Nazis in Szene-Shirts zu sehen. Im Hintergrund tragen Teilnehmer Flaggen von „Die Heimat“.
    Instagram-Kultur der Nachwuchsnazis von der RWE-Fangruppe „Weimarer Cobras“: Karl und Kevin Pöllinger (l.), Karl mit seinem Erfurt Kumpel Marc (zeigt Hitlergruß), sowie Arthur Jäckschs Geburtstagsgruß für Hitler

    Aus dem RWE-Fanspektrum kommt die relativ junge Kleingruppe „Weimarer Cobras“, von denen mehrere Mitglieder beim KiBo Bad Berka Kickboxen trainieren. Im Steigerwaldstadion stehen die Cobras mit eigener Zaunfahne im Stehplatzbereich neben der Kurve der Erfurter Ultras, treten aber selber wie eine Ultragruppe auf. Sie beteiligten sich am Erfurter Block in der bundesweiten Ultra-Demo am 16.11.2025 in Leipzig, die sich gegen verschärfte Repression gegen Ultras und Einschränkung von Fankultur in Stadien richtete. Die Gruppenmitglieder der „Weimarer Cobras“ fielen im vergangenen Jahr dadurch auf, dass mehrere ihrer überwiegend jugendlichen Mitglieder an Demonstrationen von AfD und „Die Heimat“ teilnahmen. In den sozialen Medien zeigen sich die Mitglieder mit Hitlergrüßen, Rechtsrock-Reels und Neonazi-Shirtmotiven. Am 12.7.2025 erschienen mehrere Mitglieder dieser Gruppe zum Naziaufmarsch in Apolda, darunter David Prinz und die Jugendlichen Karl und Ben, die mit ihren Kameraden aus der jüngeren Naziszene aus Apolda und Kahla zu sehen waren.

    junge Männer stehen zusammen auf dem Apoldaer Markt, manche mit Sonnenbrille. Karl steht rechts mit Kurzhaarfrisur und einer Pitbull-Trainingsjacke, David Prinz trägt Sonnenbrille und eine schwarze Regenjacke
    David Prinz (3.v.l.) und Karl (1.v.r.) mit Kevin Pöllinger (2.v.l.), Benny Franke aus Kahla (4.v.r.) und Andy Prüfer (in rot) beim Naziaufmarsch am 12.7.2025 in Apolda (Foto: Pixelarchiv)

    Zu einer AfD-Kundgebung in Erfurt am 3.10.2025 erschien Arthur Jäcksch aus derselben Gruppe, wiederum mit Ben aus Weimar. Die beiden kamen in Begleitung weiterer Jugendlicher und des für verschiedenste brutale Übergriffe und eine gut fünfzehnjährige Zugehörigkeit zur militanten Kameradschaftsszene bekannten Weimarers Thomas Holzinger. Holzinger bringt seit Jahren junge Rechte mit zu allerlei rechten Kundgebungen, von Montagsdemos über JA/AfD und Neonaziaufmärschen.

    Arthur Jäcksch ist ganz rechts in Jeans und schwarzer Trainingsjacke mit weißen Querstreifen in Erfurt zu sehen. Neben ihm läuft THomas Holzinger mit Sonnenbrille und schwarzer Jacke. Ganz links ist Ben in Trainingsjacke und blondem Seitenscheitel zu sehen.
    Arthur Jäcksch (1.v.r.), Thomas Holzinger (2.v.r.) und Ben (1.v.l.) bei Höcke in Erfurt am 3.10.2025 (Foto: Pixelarchiv)

    Die jungen Rechten von den Weimarer Cobras treten just in die Fußstapfen älterer Weimarer Neonazis wie Thomas Holzinger, wenn sie inzwischen ebenfalls am Rande linker Demos als Gruppe zum Provozieren auftauchen. Die für kommende Übergriffe notwendigen Kampftechniken lernen sie nun beim KiBo Bad Berka. Der Großteil der Gruppe hat dieses Jahr vielfach an Trainings teilgenommen, wie Bilder zeigen.

    Gruppenfoto vom Training beim Kibo, auf dem viele der zuvor benannten jungen Rechten zu sehen sind, manche mit rot bandagierten Fäusten
    Arthur Jäcksch (oben 4.v.l.), David Prinz (oben 6.v.l.), Danilo Martin (oben 3.v.r.), Ben (oben 2.v.r.), Karl (unten mittig) beim KiBo Training im März 2026

    Fazit

    Das KiBo Bad Berka reiht sich bedauerlicherweise ein in eine Landschaft von Kampfsportvereinen in der Region, die keine Abgrenzung nach Rechts kennen. Dieses Problem hatten wir in der Vergangenheit bereits in Bezug auf „Invictus Saalfeld“ benannt, wo der Rechtsrocker und Hammerskin-Anhänger Mirko „Barny“ Fritze (geb. Szydlowski) zum inneren Kern gehört. Auch in Jena gab es eine Kampfsportschule, bei der Apoldaer Neonazis als TrainerInnen auftraten. Infolge unserer Veröffentlichung dazu schloss die gesamte Schule. In Bezug auf KiBo Bad Berka muss resümiert werden, dass hier Neonazis wie Stefan Rose trainiert werden, die per einfache Internetsuche als langjährige Rechtsrockmusiker erkannt werden müssten. Durch die Einbindung des KiBo in Kampfsportnetzwerke soll Stefan Rose am 3.10. in München prestigeträchtig mit Live-Übertragung bei BILD+ im Ring stehen. Die Organisatoren dieses Kampfes wurden genauso wie BILD über Roses Hintergrund im Vorfeld informiert, ignorierten jedoch diese Hinweise. Auch Heidi Lorber ist per einfacher Internet-Suche als Teil von Neonazinetzwerken zu entlarven. Sie kann zudem in Kleidung aus Neonaziversänden Trainings beim KiBo durchführen, ohne auf Widersrpuch zu stoßen. Dass Robin Klein, Danilo Martin oder die Mitglieder der „Weimarer Cobras“ nicht nur Fußballfans, sondern rechte Aktivisten sind, wird mit einem ersten Blick auf deren Social Media Profile klar. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese beim Training in Bad Berka bislang nicht durch rechte Sprüche aufgefallen sind. Da das KiBo sehr aktiv auf Instagram postet und die jungen Rechten diese Posts regelmäßig auf ihren Profilen teilen, wäre es unglaubwürdig, dass deren sonstige Neonazi-Postings oder Profilnamen mit „NS“ oder „88“ nicht auffallen. Es ist gleichwohl nicht dem Club selbst das Etikett „rechter Verein“ anzuheften, da die meisten Trainer*innen und Sportler*innen keinerlei Anzeichen für Sympathien für neofaschistische Ideen und Bewegungen zeigen. Der Trainer*innenstab zeigt jedoch genausowenig Anzeichen für ein diesbezügliches Problembewusstsein. Das Problem ist dabei offensichtlich: In Bad Berka werden jene Leute trainiert, die rund um Fußballspiele, rechte Aufmärsche und im Alltag Linke, rassifizierte Menschen und kritische Presse körperlich angreifen. Insofern stellt die aktuelle Trainingspraxis in Bad Berka eine deutliche Gefahr dar.